queere Mädchen*arbeit 2019-03-18T13:47:51+00:00

queere Mädchen*arbeit

Die meisten Mädchenräume sind unausgesprochen heteronormativ. Häufig werden die Mädchen, die in Einrichtungen kommen, unhinterfragt als heterosexuell imaginiert und es werden nur Mädchen angesprochen, die seit der Geburt als solche eingetragen sind (cisgeschlechtliche Mädchen). Heteronoramtivitätskritische bzw. queere Mädchen*arbeit bedeutet, diese normativen Annahmen in Bezug auf Geschlecht und Sexualität in Frage zu stellen.

Heteronormativität beschreibt die scheinbare Selbstverständlichkeit, dass es zwei klar voneinander getrennte, binäre Geschlechter gibt. Demnach haben alle Menschen ein klares biologisches Geschlecht (sex), zu dem ein soziales/ kulturelles Geschlecht gehört (gender, männliche bzw. weiblich). Das sexuelle Begehren ist dabei stets auf das „andere“ Geschlecht gerichtet. Diese Vorstellung kreiert Normen von Mädchen und Jungen, die einschränken und der Realität nicht gerecht werden. Kernanliegen feministischer Mädchen*arbeit ist es schon lange, normative Weiblichkeitsbilder infrage zu stellen, geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen, die einschränken, aufzubrechen und Gewalt und Hierarchien im Geschlechterverhältnis abzubauen. Hieran anschließend und erweiternd sehen wir die Notwenigkeit, dass feministische Mädchenarbeit sich als heteronormativitätskritische Mädchenarbeit versteht und weiterdenkt.

Heteronormativitätskritische oder auch queere Mädchen*arbeit bedeuten in unserer Arbeit:

  • Vorstellungen, Normen und Bilder von Mädchen insbesondere in Bezug auf Geschlecht und Sexualität zu hinterfragen.
  • zu verdeutlichen, dass wir nicht wissen, wer Mädchen sind und welche Bedürfnisse sie haben
  • die Unterscheidung von Menschen in entweder Mädchen oder Junge als gesellschaftlich konstruiert (also von Menschen gemacht) und viel zu starr, zu verstehen. Es gibt eine Vielfalt an geschlechtlichen und sexuellen Identitäten und Lebensweisen, also nicht nur die zwei Geschlechter „Mädchen“ und „Junge“. Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, sich geschlechtlich zu verorten; „beides“ oder „dazwischen“ oder „ganz anders“ oder „gar nicht festgelegt“
  • dass geschlechtliche und sexuelle Zugehörigkeiten nicht fest sind und sie Veränderung erfahren können
  • eine Kritik an Macht- und Herrschaftsverhältnissen, die uns klar machen wollen, dass es nur zwei Geschlechter gibt.
  • eine normativitätskritische pädagogische Haltung

In queer_feministischer, heteronormativitätskritischer Perspektive sind Mädchen* alle, die Mädchen sein können, wollen, müssen, sollen.

„Grundsätzlich machen Mädchen_arbeiter_innen Mädchen_arbeit, wenn sie sich kritisch zur Reproduktion von Normalität verhalten und die Möglichkeiten nutzen, um den Mädchen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen. Heteronormativitätskritische Mädchen_arbeit richtet dabei den Blick auf Sexualität, Beziehung, Geschlechterhierarchien, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit und will damit Interesse und Spaß an Wissen jenseits der normativen Sexualität und Geschlechterweisen und zum Abbau von Gewalt und Hierarchie beitragen.“ (Pohlkamp/ Rauw 2012: 27)

Heteronormativitätskritisches pädagogisches Handeln braucht „Inhalte und Interaktionen, die an den Brüchen, Widerständen und Uneindeutigkeiten der Pädagog_innen und der Mädchen ansetzen und diese zum Thema machen;“ (Pohlkamp/ Rauw 2010; 33).

Heteronormativitätskritische Mädchen*arbeit im Mädchen*treff:

Angebote zu Empowerment

  • Projekt „mosaik“: Ein zweimal wöchentlich stattfindender Treff für junge lesbische, bi und trans* Frauen* und Freundinnen* von 14 bis 26 Jahren

Vernetzung – Öffentlichkeitsarbeit

  • Veranstaltungen im Rahmen der queeren Jugendvernetzung zum Thema Transgeschlechtlichkeit für trans* Jugendliche sowie Fachkräfte, Familienangehörige und Interessierte

Reflexion der pädagogischen Arbeit und pädagogischer Haltung

  • persönliche Reflexion der Pädagoginnen* der persönlichen und gesellschaftlichen heteronormativen Denk- und Lebensweisen
  • Hinterfragen von Macht im Sinne des Hinterfragens heteronormativer Selbstverständlichkeiten, wie zum Beispiel in Bezug auf Themen wie Geschlechtlichkeit, Verhütung, Familienbilder. Eine Erweiterung des normativen Wissen um nichtnormative Lebenskonzepte sowie ein Positionieren von Seiten der Pädagog_in gegen Diskriminierungen und Gewalt.

Mädchentreff Bielefeld e.V.
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